DIE VERGESSENEN IN DEN GRUNDWERTEN DES CHRISTENTUMS

30 ARALIK 2009

DIE VERGESSENEN IN DEN GRUNDWERTEN DES CHRISTENTUMS

Wir brauchen Euch für das Fortbestehen der weißen Rasse.“ Dies wurde 7.000 Kindern im Alter von 3-14 Jahren gesagt, die zwischen 1930-1967 im Rahmen des sogenannten „Programms für Einwanderer-Kinder“ von ihren armen Familien in England getrennt und nach Australien gebracht wurden. Nun hat sich die australische Regierung neben diesen Menschen, die heute alt geworden und noch am Leben sind, bei jenen entschuldigt, die in staatlichen Waisenhäusern und Pflegeheimen missbraucht wurden. Laut der Erklärung der englischen Regierung werde sich auch Ministerpräsident Gordon Brown für das „Programm der Einwanderer-Kinder“ entschuldigen.

Die Erlebnisse der sogenannten „vergessenen Australier“ und Überlebenden sind nicht sehr unterschiedlich. Den Kindern der armen Familien wurde gesagt, sie seien Waisen, wobei ihr Schicksal ihren Familien verheimlicht wurde. Geschwister wurden in separaten Anstalten untergebracht. Dieses Einwanderer-Programm sollte dazu dienen, dass Kinder keine weitere soziale Last für England darstellen und im Einwanderungsland als Arbeitskräfte eingesetzt werden.

John Hannessey, einer der „vergessenen Australier“ wurde noch im jungen Alter von 10 Jahren von England, wo gerade der II. Weltkrieg ausbrach, in ein christliches Waisenhaus in Australien geschickt. Ihm wurde zugeredet, es gäbe dort eine Fülle von Nahrungsmitteln und die Kinder gingen mit den Kängurus in die Schule. Im Gegensatz zu diesen Versprechen wurde Hennessey der Gewalt und sexuellen Belästigung ausgesetzt. Er musste vom Sonnenaufgang bis zum -untergang arbeiten. Hennessey, der heute 72 Jahre alt ist, sagte: „Kein anderes Land würde seine eigenen Kinder ins andere Ende der Welt schicken und dort lassen“.

Der 6 jährige Rod Breydon wurde gleich in der ersten Nacht im Jungenheim in Melborn von einem Offizier der Befreiungsarmee vergewaltigt. Als er diesen Vorfall dem Leiter des Heims mitteilte, wurde er geschlagen und in den Kerker gesperrt. Die Kinder, die ihre Hosen nass gemacht haben, wurden solange gewaschen bis ihre Haut blutete und ihre Füße in das gekochte Wasser gestellt.

Der australische Ministerpräsident Kevin Rudd hat wegen der Rolle seines Landes in diesem beschämenden Teil der Kolonialgeschichte Englands um Verzeihung gebeten. Die australische Regierung hat jedoch die Entschädigung dieser Menschen wegen Ausnutzung und Vernachlässigung abgelehnt und die Kirchen und die Länderverwaltungen dafür verantwortlich gemacht, die diese Institutionen, wo die Kinder untergebracht waren leiten. Abgesehen davon sagte Ian Thwaites als einer der Leiter der Stiftung für Einwanderer-Kinder folgendes: „Für den Fall der vergessenen Australier sind sowohl die englische als auch die australische Regierung verantwortlich.“ Er rief beide Regierungen zur diesbezüglichen Zusammenarbeit auf.

Australien verfolgte bis in die 70’er Jahre eine Migrationspolitik, die Engländer und weiße Einwanderer bevorzugt hat. Damals soll der populärste Ruf „Der beste Einwanderer ist ein Einwanderer- Kind“ gewesen sein. Sowohl die englischen als auch die australischen Politiker haben die erforderlichen Ermittlungen in dieser Hinsicht auf einer parlamentarischen Ebene durchgeführt. Mit der Ermittlung von 1998 stellte die englische Regierung fest, das Programm habe ein weiteres Ziel des Rassismus gehabt, die den Fortbestand der weißen Rasse in den Kolonialländern sichern sollte. Laut dem Bericht des australischen Senats sollen im 20. Jahrhundert mehr als 500.000 Kinder durch die Regierung, religiöse Gruppen und Hilfsorganisationen in Pflegeheimen, Waisenhäusern und anderen Institutionen untergebracht und in Bauernhöfen beschäftigt worden sein. Auch wurde registriert, dass viele der Kinder emotional, körperlich und sexuell missbraucht wurden.

Universelle Werte, die mit den EU-Werten und grundlegenden Werten des Christentums identifiziert werden, tauchen immer wieder als gewohnte Leitwörter auf. Vor dem Hintergrund, dass eine medienwirksame Entschuldigung zu den Tragödien veröffentlicht wurde, die in England begann und in Australien endete und dass die Verwandlung dieser Frage in ein Druckmittel auf die betroffenen Regierungen vermieden wird, ist die Lehre zu ziehen, dass noch ein weiter Weg in der Diplomatie zurückgelegt werden muss.

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